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Brutvogelarten sind wichtige Zeiger für den Zustand der Biodiversität. Nach einem starken Rückgang zwischen 1990 und 2010 gab es in den letzten Jahren eine gewisse Erholung der Zielarten. Seit 1990 sind aber die Bestände der Hälfte der Zielarten rückläufig oder bereits verschwunden. Einige Arten wie der Zaunammer konnten von den milden Wintern und den Massnahmen zur Förderung der Biodiversität profitieren, während bei anderen wie die Feldlerche die Lebensräume weiter reduziert wurden oder an Qualität verloren, was ihre negative Entwicklung erklärt.
 

Swiss Bird Index als wichtiger Anhaltspunkt

Vögel kommen in verschiedensten Lebensräumen vor und stellen an diese meistens spezifische Ansprüche. Daher sind Brutvogelbestände ein wertvoller Indikator für den Zustand der Biodiversität im Allgemeinen. Der Swiss Bird Index SBI® zeigt die Bestandsentwicklung der Schweizer Brutvögel. Der SBI® wird jährlich von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach berechnet und erlaubt die Beurteilung der Bestandsentwicklung der Brutvogelarten seit 1990 (Zbinden et al. 2005). Der SBI® umfasst mehrere Teilindices, welche die Bestandsentwicklung der Brutvogelarten insgesamt oder verschiedener Gruppen von Vogelarten illustrieren. Kürzlich wurde die Berechnungsmethode des SBI® angepasst (Korner-Nievergelt et al. submitted). Diese Anpassung erfolgte, um neuauftretende wie auch verschwindende Vogelarten mathematisch korrekt behandeln zu können.

Wie geht es den Ziel- und Leitarten?

Um die Entwicklung der Ziel- und Leitarten gemäss Umweltziele Landwirtschaft (UZL) aufzuzeigen, werden deren Teilindices berechnet. Zielarten (29 Arten) sind lokal bis regional vorkommende, aber national gefährdete Arten, die erhalten und gefördert werden sollen und für welche die Schweiz in Europa eine besondere Verantwortung trägt. Leitarten (18 Arten) sind charakteristisch für eine Region und repräsentativ für ein bestimmtes Habitat. Sie dienen damit als Messgrösse für die Qualität des Lebensraums, den sie besiedeln (BAFU und BLW 2008). Insbesondere Biodiversitätsförderflächen (BFF) in ausreichender Fläche und in der nötigen Qualität bieten Lebensräume für den Erhalt und die Förderung von Ziel- und Leitarten. Bei der Planung von Vernetzungsprojekten müssen die Bedürfnisse von Ziel- und Leitarten berücksichtigt werden.
 

Zoom: datentabelle_grafik_umwelt_biodiversitt_entwicklung_ziel_und_leitarten_gemss_uzl_d.png

Für die Berechnung des Index der Zielarten wurden 28 von den 29 Arten berücksichtigt (für den Halsbandschnäpper gibt es keine Daten). Im Kuchendiagramm wird der Anteil der abnehmenden (rot), der zunehmenden Arten (grün) und der Arten ohne Trend (orange) dargestellt. In schwarz sind ehemals regelmässig vorkommende Brutvogelarten ausgewiesen, die 1990 noch in der Schweiz brüteten, 2020 aber nicht mehr.


Der Teilindex der Leitarten zeigt in den letzten 30 Jahren relativ geringe Veränderungen. Der Index pendelt um den Ausgangswert 100. Der Teilindex der Zielarten zeigt zwischen 1990 und 2009 einen Rückgang auf 62 Prozent des Ausgangswerts von 1990. Nach einem Wiederanstieg um 2010 hat sich der Index bis 2019 bei etwa 75 Prozent stabilisiert und ist 2020 stark angestiegen. Es gibt mehrere mögliche Erklärungen für diese Erholung:

  • Die fünf Zielarten Rebhuhn, Rotkopfwürger, Bekassine, Grossbrachvogel, Ortolan haben in den letzten Jahren kaum noch gebrütet. Bei einem Bestand von 0 kann der Bestand einer Art nicht mehr weiter zurückgehen. Insofern erhalten Arten mit einer positiven Entwicklung (z. B. Rotmilan, Weissstorch, Turmfalke) automatisch mehr Gewicht innerhalb des fixen Artensets. Arten mit zunehmendem Bestand sind häufig solche, die die in der intensiven Landwirtschaft anfallende Nahrung nutzen können, jedoch z. B. am Waldrand oder in/auf Gebäuden brüten.


  • Gewisse Arten mit einer (teilweise starken) negativen Gesamtbilanz haben in den letzten Jahren relativ gesehen weniger stark abgenommen oder sich auf tiefem Niveau stabilisiert (z. B. Bodenbrüter wie Feldlerche und Braunkehlchen).


  • Die milderen Winter der letzten Jahre (insbesondere 2019/20) führten zu einer geringeren Sterblichkeit bei vielen Arten. Die meisten Teilindices SBI zeigen denn auch eine positive Entwicklung in den letzten Jahren (z. B. Zielarten Wiedehopf, Steinkauz und Zaunammer).


  • Die Zunahme der BFF und des Anteils an Flächen der Qualitätsstufe 2 hat einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Brutvogelbestände auf nationaler Ebene (Biodiversitätsbeiträge). Es konnte gezeigt werden, dass überdurchschnittlich aufgewertete Landschaften Brutvögel auf regionaler Ebene fördern (Birrer et al. 2007, Meichtry-Stier et al. 2014, Zingg et al. 2019).


Bei den Zielarten ist seit 1990 die Hälfte der Arten rückläufig oder bereits verschwunden. Von der anderen Hälfte nehmen elf Arten zu, während drei Arten keinen Trend zeigen.

Rotmilan und Feldlerche: UZL-Zielarten mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Entwicklungen


Der Rotmilan bestreitet einen grossen Anteil seiner Nahrung mit Aas und Wirbellosen wie Regenwürmer und Insekten. Er brütet am Waldrand, in Baumhecken oder auf Einzelbäumen und findet seine Nahrung auf weiträumigen Suchflügen im Kulturland. Dadurch kann er kurzfristig und lokal bestehende Nahrungsquellen, wie sie beim Pflügen oder bei der Mahd entstehen, optimal ausnutzen. Seinen Bestand konnte er in den letzten 30 Jahren vervielfachen.
 

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Die ursprünglich weit verbreitete und häufige Zielart Feldlerche hat in den letzten dreissig Jahren rund 60 Prozent ihres Bestands eingebüsst und ist in gewissen Regionen vollständig verschwunden. Als Bodenbrüter leidet sie unter der häufigen Bearbeitung der Felder. Die Zeitfenster zum Brüten sind eng und die Nahrung knapp geworden, sodass es der Art immer weniger gelingt erfolgreich Junge aufzuziehen. Wiesen sind für die Nahrungssuche häufig undurchdringlich geworden.
 

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Thomas Sattler und Simon Birrer, Vogelwarte Sempach
Jérôme Frei, BLW, Fachbereich Agrarumweltsysteme und Nährstoffe, jerome.frei@blw.admin.ch

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